Lebellsches Kaufmannshaus, Kristinestad

Kaufmannshaus aus dem 18. Jahrhundert. Stilhistorisch interessante Interieurs. Uniker städtebaulicher Komplex.

  • Geöffnet: im Sommer. Sonst nach Vereinbarung.
  • Eintritt.
  • Führungen.
  • Cafés/Restaurants in der Nähe.
STRANDGATAN 51-53, FI-64100 KRISTINESTAD, FINNLAND

Weitere Informationen


Neben Röros in Norwegen ist Kristinestad die einzige aus Holz erbaute nordische Stadt, die nie von Bränden zerstört wurde. Das Zentrum von Kristinestad ist deshalb ein für Finnland und für ganz Skandinavien uniker städtebaulicher Komplex. Nur einen Steinwurf weit südlich des Marktplatzes liegt das Lebellsche Kaufmannshaus. Hier kann man besichtigen, wie eine Kaufmannsfamilie vor mehr als 200 Jahren in Kristinestad wohnte und lebte.

Die Familie Lebell blickt auf eine farbige und spannende Geschichte zurück. Ihr Stammvater war ein Pole namens Casimir Subowski, der 1702 als Kriegsgefangener nach Finnland kam, wo er in einem Gefangenenlager in Karleby interniert wurde. Dort lernte er ein Mädchen aus Kristinestad kennen, und zwischen den beiden entspann sich eine Liebesbeziehung. Dank ihrer guten Beziehungen konnte die Familie des Mädchens die Freilassung des jungen Mannes erwirken, sodaß der Heirat der beiden im Jahre 1709 nichts mehr im Wege stand. Casimir Subowski nahm den Namen Casper Lebell an.

Das erste Kaufmannshaus wurde in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts erbaut, als Casper Lebell in der Stadt das Handelsrecht erhielt. Unter seinem Sohn brachte es die Familie zu großem Wohlstand: Casper Lebell d. J., Ratsherr und Vizebürgermeister der Stadt, verdiente ein Vermögen mit der Ausfuhr von Teer und Bauholz und dem Import von Salz.

Das jetzige Haus wurde 1762 errichtet und mit einem hohen Mansardendach versehen, welches um 1850 durch ein Schopfwalmdach im Empirestil ersetzt wurde.

Seit 1939 ist das Lebellsche Kaufmannshaus ein Museum. Im Laufe der Jahre sind die Interieurs aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert nach und nach behutsam restauriert worden. Man kann dort auch einen Barocksaal aus dem 17. Jahrhundert besichtigen, der mit seinen Deckenmalereien und Stofftapeten ein Unikat in Finnland ist. In ihm steht ein schwarzlackierter herrschaftlicher Schrank, eine Rostocker Arbeit vom Jahre 1695. Der grüne Kachelofen des Saals ist vermutlich der älteste in Finnland.

Das Rokoko ist vertreten durch den sogenannten Lebellschen Salon. Dort befinden sich unter anderem ein zierlicher Spieltisch mit Intarsienmustern und ein vergoldeter Wandspiegel.

Das frühe 19. Jahrhundert, also die Durchbruchszeit des Empirestils, trifft man im sogenannten Holmströmschen Salon mit seinen erbsgrünen Wänden und den zeittypischen grauweißen Möbeln.

NEBENGEBÄUDE

Das angrenzende weißverputzte Empiregebäude aus dem Jahre 1842 wurde dem Museum 1995 angegliedert. Das Haus, das früher als Privatwohnung, als Laden und zeitweise auch als Zeitungsdruckerei diente, hat jetzt die hellen Farbtöne wiederbekommen, die es Mitte des 19. Jahrhunderts einmal hatte. Einige Räume sind möbliert mit Einrichtungsgegenständen aus der Blütezeit der ostbottnischen Reedereien gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die übrigen werden für Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art genutzt.